November 07

071130 Soso, mediales Rehragout ist eine delikate Angelegenheit. Magisterarbeitsthemen auch.
Wenn es mutig ist, neben Ehre, Ruhm und fünf weiteren Treppenstüfchen auf der Karriereleiter auch noch 50 Millionen Dollar zu bekommen – dann her damit! Oder mit welcher Berechtigung hat Tom Cruise gestern Abend das "Bambi" in der Kategorie "Mut" erhalten? Zahlt das etwa "Scientology"? So wie bei Katies Katze, die es fürs Nicht-Schreien beim Rauspressen des Nachwuchses gab? Nur weil der männlich Part von "Tomkat" auf Grund annähender Ähnlichkeiten (vermutlich wurde nur niemand gefunden, auf den das noch mehr zutraf) zum Hitler-Attentäter Stauffenberg selbigen spielen durfte, jetzt dieses vergoldete Kitz. Eine sehr delikate Angelegenheit. Und wenn der geehrte dann auch noch kund tut, er werte den Preis als "Respekt", dann stellt sich endgültig die Frage: "Wofür den denn, bitteschön?"
Ähnliches schoss beim heutigen Besuch auf dem Klo im Juridicum auch durch den Kopf. Ein "geiler Stecher" wurde da per Kabinenwand-Annonce gesucht. Alternativ hätte man auch freitags um 12.20 Uhr auf einen "heißen Türken" warten können, der seinen "dicken Schwanz" durch "diesen Spalt" steckt. Versehen mit dickem Pfeil, damit man den Spalt auch ja entdeckt – aber es war nun mal schon nach zwei... Trotzdem drängt sich die Frage auf, was diese Menschen (vermeintlicher Weise Rechtsstudenten) dazu bewegt, solche Dinge per Edding auf Uni-Toiletten zu hinterlassen!? Auch interessant: "Boy22", der "Freunde zum Abwichsen" sucht und gleichzeitig anbietet, "es dir auch selbst" zu besorgen. Mal abgesehen von den – hier nicht wieder aufgegriffenen – Rechtschreib- und Grammatikfehlern ist Klowand-Kommunikation doch irgendwie peinlich und ein Grund zum Fremdschämen. Oder aber auch ein spannendes Thema für die Magisterarbeit. Während dieser Gedanke ausreift, ein Gruß aus Münster!

071129 Soso, ungeahnte Macht steckt im positiven Denken! Ähnliches auch im Glühwein...
Wieder einmal zauberte die Tageszeitung eine der ungeahnten Weisheiten auf den Frühstückstisch: "Positives Denken reicht nicht immer". Menschenskind, wer hätte das gedacht?! Astrid Schütz, Professorin der Uni Chemnitz, bringt es auf den Punkt: "Glück, Liebe und Erfolg im Beruf hätten wir alle gerne. Und eine einfache Lösung für den Weg dahin wäre natürlich das Allerschönste." Aber es sei naiv, zu glauben, allein positives Denken – wie es von Motivationstrainern und Ratgeberautoren gepredigt wird – sei ausreichend. Ansonsten wären die Wochen vor den Klausuren in Zukunft auch Strapaze fürs Gehirn, wenn es sich die ganze Zeit krampfhaft zujubeln soll: "Das wird schon!" Doch Frau Schütz weiß noch mehr: Die Empfehlungen, sich keine Sorgen zu machen und positiv gestimmt nach vorne zu schauen, sind nämlich auch nicht völlig unsinnig. "Es lässt sich auch zeigen, dass an den Effekten von positivem Denken etwas dran ist", sagte sie. Was genau – dafür war wohl leider kein Platz mehr da.
Aber dafür gibt es ja eigene Analysen: Bei der Arbeit konnte heute zum Beispiel allein mit positivem Denken ein Computerprogramm wieder repariert werden! Dass das positive Denken in diesem Fall eher der Informatik-Held war, der von der Kollegin, die dem Fluchen entgegenwirken wollte, bemüht wurde, schnellstmöglich einzugreifen, verfälscht an dieser Stelle nur unwesentlich das Ergebnis. Eine andere Studie am heutigen Tage bewies: Zwei Becher Glühwein merkt man – zwei Minuten das Fahrrad durch die Innenstadt in entsprechender Hochachtung gegenüber dieser Becher zu schieben (im Beisein positiven Denkens), machen den Effekt wett. Fantastisch, was Professorin Schütz so alles möglich macht! Ein – gefühlt – nüchterner Gruß aus Münster!

071128 Soso, Männer lügen öfter als Frauen. Und Übermut tut auch nicht immer gut!
Die "Apotheken Umschau" hat – sofern man den Antworten trauen darf – die Bestätigung schwarz auf weiß: Männer lügen öfter als Frauen. Die Umfrage, bei der sieben von zehn Frauen versicherten, sie versuchen, sich an das Gebot "Du sollst nicht lügen" zu halten, ergab auf der anderen Seite, dass jeder dritte Mann zugab, in gewissen Situationen zu lügen. Vor allem, um besser dazustehen. Das ist dann wohl die Geschichte mit den 20 Zentimetern?! Aber meine Herren, auch wenn es in der Regel die Mädchen sind, die im Matheunterricht jammern, und die Frauen, die klagen, sie könnten doch nicht schätzen. Eines ist Gewiss: kochen können sie! Und kennen daher den Unterschied zwischen einer Spaghetti und Penne. 
Und Übermut tut ja bekanntlich immer gut. Oder war's selten? Der Fahrradfahrer, der heute in gefühlten 200 Stundenkilometern nur noch eine Staubwolke hinterließ, als er auf die nicht mehr ganz grüne Ampel (und Münsters Radfahrerampeln kennen kein Gelb) zuraste, war wohl von ersterem überzeugt. Ohne zu klingeln wurde auch die zugegebener Maßen leicht schwankende und gewiss alles andere als düsende Omi die auch noch auf dem Weg lag gestreift. Was dann folgte waren ein, zwei quietschende Reifenpaare, Hupen, Fluchen eines Autofahrers – und ein noch schneller vorbeiziehender Windzug. Hinter der Kreuzung entpuppte sich dieser als Polizist auf (Fahrrad)Rädern und vollzog seinen Dienst. Vermutlich ein nicht zu knapp bemessenes Bußgeld und alles nur, weil der junge Radler nicht einen Moment warten oder eine andere Strecke wählen wollte. Jaja, "umwegempfindlich" – da war ja was... Gut nur für den eigenen Geldbeutel, dass der Cop auf Speichen anderweitig beschäftigt war – defekte Klingeln kosten in Münster nämlich zehn Euro. Mit Blick auf steigende Finanzen ein Gruß aus Münster!

071127 Soso, NRW braucht eine ordentliche Image-Kampagne! Das schreit nach Wortneuschöpfungen!
Zehn Millionen Euro darf sie ruhig kosten, die Image-Kampagne, mit deren Hilfe NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben die Region vor allem im Ausland populär machen will. Dann kämen nämlich bestimmt total viele interessierte Asiaten, würden Fotos machen – die dann zuhause zeigen und Firmen bauen lassen. Mal sehen, ob das so funktioniert! Thoben hat auch schon eine wichtige Bedingung ertüftelt, die es bedarf, um NRW als Marke zu etablieren (Warum muss eigentlich alles momentan 'Marke' werden?): ein international verständlicher Slogan muss her. Bisher eingegangen sind Vorschläge wie "Europes creative heartbeat", "NRW – the best in the west" und "NRW for you and me". Damit kann das ja nur schief gehen! Vor allem, weil es im Englischen auch [EnAhrDabbeljuh] heißt, was total beschissen klingt. Wichtig wäre doch auch, dass das Motto mit einer Melodie verbunden werden kann, die im Ohr bleibt. So könnte man bei Bewährtem klauen! Wie wäre es zum Beispiel mit einem den Scissor Sisters entlehnten "Land of a thousand Arbeitslose" oder noch moderner: "Please don't stop the Bergbau". Rhianna wäre über den Ruhm bestimmt erfreut. Wenn's älteres Kulturgut sein soll, dann ginge natürlich auch ein pilzköpfiges "Pinki in the sky with Studiengebühren". So was ist Erfolg versprechend! Dann klappt's auch mit den Investoren.
Und sollten Einwände gegen die 'fragwürdigen' Wörter bestehen – auch das scheint an der Tagesordnung. Zumindest hat ein "ADAC"-Typ jetzt aus einem offiziellen Schreiben zitiert, Münsters Fahrradfahrer seien "umwegempfindlich", in Köln hat ein "Intensivtäter" im Gericht einen Polizisten ins Gesicht geschlagen und im Japanischen gibt es sogar ein extra Wort für den "Tod durch Überarbeitung". A propos: die Hausarbeit ruft! Also ein "karoshi"-mäßiger Gruß aus Münster!

071126 Soso, total 'energised' kann man also in den Tag starten?! Wohl aber nicht ohne Kind.
Die auch als 'Erstsemester-Begrüßungspakete' bezeichneten Uni-Tüten, die es regelmäßig zum Start des neuen Stressjahres von studentenfreundlichen Vereinigungen in den Mensa-Vorhallen gibt, sind schon was Feines! Die Münsteraner Verteil-Aktion passte dieses Jahr leider nicht in Stunden- und Arbeitsplan. Dafür hat aber das Schwesterherz groß abgesahnt und direkt weiterverteilt, wofür sie keine Verwendung finden konnte. Deshalb konnte heute auch eine "Addidas"-Probe unter der Dusche getestet werden. Das nach aufgedruckten Angaben "energising" Shower-Gel stellte aber schon direkt das erste Problem: Plastikverpackungen bekommt man unter Wassereinstrahlung nur sehr sehr schlecht geöffnet! Mit Hilfe der Zähne gelang es dann, den Weg zum total 'energisigen' Genuss zu bahnen. Doch der erwartete Effekt blieb leider sowohl unmittelbar nach dem Einreiben als auch einige Stunden später aus.
Zu diesem Zeitpunkt war dafür allerdings ein Treffen mit der diessemestrigen Lieblingsdozentin und einer sozial sehr engagierten Mama – beide zudem für montagsmorgenliche Verhältnisse erschreckend 'energised' – zwecks Seminarvorbereitung angesetzt. Das Seminar wird selbstverständlich seinen eigentlichen Glanz erst durch die Moderationskünste gewisser Politikstudenten erhalten, aber auch sonst eine sehr interessante Unterhaltung. Das neue Kinderbildungsgesetz stand zur Diskussion und zum ersten Mal kreisten die eigenen Gedanken auch kurzweilig um die Frage, ob man für sein eigenes Kind eigentlich – Vorausgesetzt die finanzielle Schieflage ließe dies zu – auf Arbeit verzichten würde. Aber: damit diese Frage tatsächlich mal brisant wird, mangelt's ja an mindestens einer (Gebär)Mutter. Bleibt zu hoffen, dass der mit dem heute gestarteten Weihnachtsmarkt nun ansteigende Glühweinkonsum niemals zu dummen Handlungen unterhalb der Gürtellinie führen wird. Sonst bleibt in Zukunft nicht mal mehr Zeit für einen immer noch nicht wirklich 'engergisten' Gruß aus Münster!

071125 Soso, unorganisiert lebt es sich am leichtesten. Bis in die Ewigkeit und noch viel weiter!
Am aller coolsten sind die Menschen, die nach dem Verlassen des Zuges am Bahnhof losstürzen und durch das Bahnhofsambiente wetzen müssen, obwohl sie im Grund schon sicher wissen, dass sie den Anschlussbus verpasst haben werden, wenn sie die Haltestelle erreichen. Unorganisiert lebt es sich einfach eindeutig leichter! Heute noch mit einer guten Freundin über David Émile Durkheims Anomietheorie gesprochen. Darin begründet er – ganz grob zusammengefasst – abweichendes Verhalten durch existierendes Chaos. Also quasi die Legitimität für so manchen Patzer, den man sich im Laufe des Lebens leistet (betrachtet man das jetzt mal nicht ganz so eng sozio- und psychologisch...). Aber keine Angst – dabei handelte es sich weniger um eine hoch philosophische Debatte, sondern vielmehr um eines der Beispiele, die sie für den überflüssigen Studieninhalt brachte – als wenn das eigene Studium da nichts zu bieten hätte! Vor allem hat Durkheim sich ja auch Zeitlebens vielmehr mit religiösen Themen beschäftigt.
Aber das ist ja auch passend, heute am Totensonntag. Beziehungsweise am Ewigkeitssonntag, wie ihn die evangelische Kirche nennt. Diese Bezeichnung stimmt überhaupt gleich viel zuversichtlicher für die Zukunft: nach dem Tod geht es eben weiter. Fraglich natürlich nur, wie... Für den Himmel zu viele unmoralische Attentate auf das christliche Lebensideal der Bibel gestartet. Für die Hölle vermutliche zu wenige. Zumindest wird in den brodelnden Kesseln ja nicht so viel Platz sein und die Liste derer, die da dringend rein müssten ist lang. Wobei so ein heißer Topf bei den Temperaturen schon dankenswert wäre! Ein fröstelnder Gruß aus Münster!

071124 Soso, durchs Telefonieren die Freunde verlieren. Und das zur Weihnachtszeit.
Eigentlich hat die Erfindung des Telefonierens der Menschheit gut getan. Zugegeben: qäukende Handy-Klingetöne aus dem Fernsehen nerven und dass jeder dauernd alle Gespräche unterbricht, weil "man grad mal ran muss" auch. Aber alles in allem vernetzt das Telefon, macht Zusammenkünfte einfacher und erleichtert die Kontaktpflege und Aufrechterhaltung von Freundschaften. Aber Gefahr droht! Folgt man nämlich nicht des Fernsehzuschauers liebster Beschäftigung und zappt in der Werbung nicht durch alle anderen Kanäle, bloß um festzustellen, dass es offenbar geheime Absprachen bezüglich der Werbezeiten zu geben scheint, kommt man dieser Tage nicht um die "Base"-Werbung herum. Wahlweise gibt es eine nervtötende Blondine oder einen Tapeten abreißenden Mann. Beide jedenfalls faseln einen davon, dass sie all ihre Freunde an Weihnachten anrufen wollen. Das ist ja ganz vorbildlich im Sinne der Nächstenliebe und daher bestimmt auch total nett gemeint. Aber dann kommt die Drohung: "Und telefonieren, solange ich will!" Ohne schlechtes Gewissen und Rücksicht auf Verluste scheinen die beiden sämtliche zwischenmenschlichen Beziehungen aufs Spiel setzten zu wollen. Interessant ist es also, mal nach den Feiertagen Werbung zu gucken, um festzustellen, ob die beiden all ihre Freunde verloren haben.
Da traf es sich, dass heute das Zusammentreffen aller Familienmitglieder genutzt wurde, um die Weihnachtsdeko vom Dachboden zu holen. Kartonweise wurde das Arsenal im Wohnzimmer ausgebreitet, um dann zu entscheiden, was dieses Jahr als 'schön' definiert die Adventszeit über das Tageslicht erblicken darf. Vielleicht liegt es auch am Anflug eines Magen-Darm-Virus – aber die Besinnlichkeit blieb fürs erste aus. Und trotz Heimaturlaub ein Gruß aus Münster!

071123 Soso, der Sinn des Lebens liegt bestimmt nicht im Studieren? Zeit zum Frustfressen!
Studieren – das ist die Beschäftigung mit Eineindeutigkeiten, Erwartungs-Erwartungen und zwanglosen Zwängen. Oder kurz: Kopfschuss! Wie zum Beispiel heute: Auf dem Plan stand eine Methode, um Maßnahmen aus finanzpolitischer Sicht auf ihre Legitimität hin zu überprüfen. Zu Beginn erklärte der Assi vom Prof, der kein Prof mehr ist, weil er zu alt ist, und dessen Nachfolger sich zu schön ist und deswegen den Assi vom alten Prof seinen Job machen lässt – eine komplizierte Geschichte, aber der Typ macht das an sich ganz gut – er erklärte jedenfalls die ZMT-Regel. Eine Regel über Ziele, Mittel und Träger. Was das genau ist, wäre in der notwendigen Ausführlichkeit zu lang, in der gebotenen Kürze irrelevant. Das gilt aber wohl auch für die generelle Existenz dieser Regel. "Unbedingt" müsse man sie kennen, lernen, sie in sich aufsaugen, zutiefst verinnerlichen und ständig daran denken. Insbesondere für dieses achso wichtige Schema. Da ist sie nämlich der erste von siebenundzwanzigeinhalb Schritten, die man gehen muss, um zu einem Ergebnis zu kommen. Allerdings ist es Sinn dieses Schemas, am Ende einen Träger herauszusuchen. Den gibt es also noch gar nicht. Auch sollen Maßnahmen bewertet werden. Die können also nicht von vornherein ausgeschlossen werden. Und Ziele – nun ja, die setzt man halt. Folglich war das Fazit des Dozenten unter der Bearbeitung: "keine Ahnung". Eine völlig überflüssige Schreibarbeit also, die auch in der Klausur wartet. Das soll also der Sinn des Studierens sein? So viel Frust, wie man dabei in sich anstaut, kann man gar nicht in Nahrungsmitteleinheiten ausdrücken.
Aber prinzipiell lohnt sich Frustfressen: Die "Air France" muss jetzt einem 170-Kilo-Mann 8000 Euro Schmerzensgeld zahlen und 500 Euro zurückerstatten, die sie ihm für einen zweiten Sitzplatz abgenommen hatten. Er klagte gegen die Fluggesellschaft und gewann. Fragt sich nur, was derjenige abgekriegt hat, der neben ihm sitzen musste – und ob es sich mit 170 Kilo leichter studiert. Mit Blick aufs Wochenende ein Gruß aus Münster!

071122 Soso, ohne England fahren wir zur EM! Bowling wäre eine Alternative!
Jaja, das hat man wohl davon, wenn man den Trainer wegen mangelnden Erfolgs rausschmeißt und seinen Assi nachrücken lässt. Mit EM-Qualifikationen klappt es in letztem Fall nämlich nur, wenn der Bundestrainer vorher bekundet, freiwillig den Posten zu räumen, weil er trotz Treppchenplatz bei der WM keine Lust auf eine Verlängerung hat. Auf jeden Fall geht's jetzt nächstes Jahr ohne England zur EM in die Alpen. Eigentlich ganz gut, wenn man bedenkt, was man sich so vielleicht alles sparen kann: angefangen bei den Hooligans bis zu den dann nicht kommenden Fans, die beim Public Viewing mit weiß-roten Fähnchen die Sicht versperren. Aber die Insulaner können beruhigt sein: wie die "Sat.1"-Astrologin heute Morgen zu deuten wusste, schiebt sich die Sonne jetzt ins Sternzeichen Schütze. Und das bedeutet steigender Optimismus. ("Das Anzünden der inneren Kerzen" war sogar die genaue Formulierung – na dann gute Nacht!)
Alternativ könnten die Engländer es aber auch einfach mal mit einer anderen Sportart probieren. Wie beispielsweise Bowling. Da sind die Amis ja ganz groß drin. Nicht nur, dass sie auf Grund fehlender eigener Kultur einfach nur diejenige der ersten Siedler am laufenden Band zu übertrumpfen versuchen (und es kann scheinbar ALLES größer, dicker, länger und weiter gemacht werden). Nein, zum heutigen Thanksgiving-Fest geht es den Truthähnen an den Kragen. Zumindest denen, die der Präsident nicht in seinem Garten begnadigt (wobei kaum vorstellbar ist, dass Georgy weiß, was er da tut). Um an einen Festmahls-Truthahn zu kommen, haben sich in den letzten Jahren verschiedene Möglichkeiten etabliert: Wer spießig ist, geht in den Supermarkt. Wer echter Ami ist, übt sich im Turkey-Bowling. Ja, richtig gelesen! Dabei wird ein gefrorener Truthahn gegen die Kegel geschmettert und der Gewinner darf ihn dann auftauen. Ob das ein Fall für Tierschutzorganisationen ist?! Wie auch immer – Gruß aus Münster!

071121 Soso, impulsive Gesprächsattacken ruinieren noch den guten Schwiegersohnruf. Besser aber als von Tieren befallen.
Man kann sich ja zu Tode blamieren – aber offensichtlich kann man das auch noch toppen. Oberst peinlich! Und wie viel Schamesröte in so ein kleines Gesicht steigen kann. Da war es schon von Vorteil, dass sich der Vorfall gestern Abend nur am Telefon ereignete: Eigentlich sollte am anderen Ende ein gute Freundin abheben. Was kam, war eine Männerstimme. Logisch, ihr Freund – so der erste Gedanke und es folgte ein: "Hi! Hier ist Marco. Kann ich mal deine Frau sprechen?" Noch während die Worte die Mundhöhle verließen, dämmerte es, dass der am Anfang des Gesprächs gefallene Nachname zwar der ihrige war, da unverheiratet, ihr Freund aber einen anderen trägt. Die Reaktion auf der anderen Seite der Leitung – nach einem kurzen Stocken – war dann auch ein verwundertes: "Meine Frau?" Nach gestotterten Entschuldigungen, Erklärungsversuchen, wie es zu dem Versehen kommen konnte, und dem Gestammel, was eigentlich die Absicht hinter dem Telefonat war, wurde die Verbindung schnellstmöglich gekappt. Vermutlich wird ihr Vater noch den restlichen Abend mit totlachen verbracht haben. Sie jedenfalls – nachdem das Handy als moderner Adressenspeicher die richtige Nummer ausgespuckt hatte – fand's tierisch komisch. Eine sehr einseitige Geschichte...
Etwa wie der Versuch des Naturhistorischen Museums in Rotterdam. Hier sollte es eine ganz besondere Ausstellung geben. Weltweit wurde nach Exponaten gesucht, die sich in den Hinterzimmern und Schubladen privater Sammler versteckt hielten. Ein 80-Jähriger spendete sogar vier Exemplare, die er schon 1949 als Geschenk von einer befreundeten Krankenpflegerin bekam. Dazu spendete eine Ärztin ein weiteres Exemplar. Aber mit fünf Ausstellungsstücken kann man nix anfangen – vor allem sind sie sehr klein, die Filzläuse! So, und jetzt lest bitte noch mal nach, woher die auch als Schamläuse bezeichneten Tierchen stammen. Das schreit nach Hospital-Abstinenz! Mit einem Wunsch auf lang anhaltende Gesundheit ein Gruß aus Münster!

071120 Soso, der Name macht's also?! Oder es ist die Herkunft, die uns steuert!?
Auf die Idee, dass der Name der entscheidende Faktor ist, der das Sein determiniert, muss man aber auch erst mal kommen! Der bayrische SPD-Fraktionschef und Katholik Franz Maget kam darauf, als es um die Nachfolge für den bald ausscheiden(sollen)den Kardinal Friedrich Wetter ging, seines Zeichens Chef der wichtigsten Diözese Bayerns: München. "Man schütze uns vor allen Bischöfen, deren Namen mit M beginnt", soll er sich laut Zeitungsberichten geäußert haben. Und tatsächlich: Mixa, Meißner und auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller, der sich in die Schlagzeilen brachte, als er einen pädophilen Kleriker 'resozialisieren' wollte – in der Kinder- und Jugendarbeit. Und wenn man das mit dem Alphabet mal nicht ganz so eng nimmt, ist das Lehmann-L ja auch in der Nähe vom M. Scheint also tatsächlich der Anfangsbuchstabe dafür verantwortlich zu sein, wenn man ab und zu mal wenig durchdachte Dinge tut, sagt oder auch nur veranlasst und sich geistiger Umnebelung erfreut? Sollte dem so sein, bezieht sich das hoffentlich nur auf den Nachnamen – und das K ist ja glücklicherweise Meilen vom M entfernt, so genau müssen wir schon sein! Interessant aber auch im Zusammenhang dieser Diskussion, dass im selben Artikel zu lesen ist, dass der Münchener Kardinal auch Vorsitzender der Bayerischen Bischofskonferenz ist und diese als "Gegenpol" zur Deutschen Bischofskonferenz gelte. Ist also Bayern so wenig Deutschland wie Großbritannien Europa ist, ja?!
Vielleicht ist es aber auch die Herkunft, die für geistige Missstände sorgt. Eine aus Herten (!) stammende Frau ist am Samstag einmal quer durch die Münsteraner Innenstadt gerast – auf der falschen Seite, auf Fahrradwegen, in parkende Autos, in Schaufensterscheiben, auf von Straßen weit entfernten Grünflächen. Da ist es beruhigend, dass es laut "Wikipedia"-Tabelle weder Parallelen zu Lüdenscheid noch zu Münster noch zu Schalksmühle gibt. Schwein gehabt und somit ein beruhigter Gruß aus Münster!

071119 Soso, Fuchs macht in Mode. Noch ein Grund mehr, die Stiefel zu kürzen!
Warum gibt es eigentlich keine Männer-Fastnacht? Ganz im Sinne einer Emanzipation der testosteron-gebeutelten Dreibeinigkeit? Wenn es so etwas geben sollte, bleibt zu hoffen, dass es bald so weit ist. Die Idee ist auch schon da, was es an Stelle von Krawatten mittels eines beherzten Schnittes zu kürzen gibt: Irgendwie sind die Gründe unklar – aber heute brachte der vermehrte Anblick, den es auch schon seit längerem zu ertragen gilt, das Fass zum Überlaufen. Hosen in Stiefeln. Sicherlich sind die entsprechenden nach Pferden fragenden Gruppen im "Studiverzeichnis" längst gesichtet worden – aber ob sich die Trägerinnen jemals über die ästhetische Vergewaltigung jeglicher modischer Richtlinien Gedanken gemacht haben?! Das Problem ist ja nicht nur die Verzerrung des Empfindens seitens der Betrachter (Wehe, eine dieser Frauen beschwert sich jemals über das 'falsche' Geschenk ihres Gatten!). Vor allem scheint es auch neben der Karottenhose an sich kaum eine noch unvorteilhaftere Klamotte zu geben, mit der Frau sich auf- beziehungsweise eher abmotzen kann. In Stiefel gequetschte Hosenbeine machen schlicht dicke Stampfer. Unproportionale und schwabbelig wirkende, prothesenartige und deplazierte Zwischenstücke, die die auch noch meist in zu voluminöse Schuhfabrikate gepressten Zehen mit dem Arsch verbinden. Alles – aber auch alles, was irgendwie Anlass zu Lästerattacken anderer führen könnte, wird durch eine derartige Konstruktion betont. An dieser Stelle sollte man doch echt beherzen, dass es heißt: "These boots are made for walking" – und eben nicht: These boots are made vor stecking the hose into it and look very beschissen aus!
Fraglich auch, welchen Sinn und Zweck an dieser Stelle Pelzstiefel haben? Pelz ist ja prinzipiell jetzt nicht so krass modisch. Zwar machen auch diverse "Peta"-Kampagnen keinen Sinn, weil diese Werbeikonen in ihrer Freizeit wohl weniger nackt und dennoch in unpelzigen Outfits shoppen gehen. Aber in Hannover hat jetzt ein Fuchs Zeichen gesetzt: Er tappste in eine Modegeschäft, kuschelte sich in eine Ecke und ließ sich auch nicht von den Verkäuferinnen beirren. Sehr mutig – das verdient einen Gruß aus Münster!

071118 Soso, das Vorbild – ein Homo?! Kein Bild - ein Sportler!?
Da blieb der Kaffee heute Morgen aber in der Speiseröhre stecken und die gesamte innere Nervenkonstruktion verspannte und verkrampfte sich für mehrere Sekunden. Aus der Traum von der Hochzeit. Geplatzt, wie eine riesige Seifenblase. Die Zukünftige – einfach weg vom Markt. Und dann auch noch: an eine Frau. Die "Agence France-Presse" hatte noch in der Nacht folgende Meldung im Netz in Umlauf gebracht: "Die ARD-Moderatorin Anne Will hat sich zu ihrer langjährigen Lebenspartnerin Miriam Meckel bekannt. Auf die Frage, ob sie und Meckel Lebenspartner seien, antwortete die 41-Jährige der 'Bild am Sonntag': 'Ja, wir sind ein Paar.' Zugleich betonte Will, dass sie und die Professorin Meckel, die Direktorin des Institutes für Medien und Kommunikation der Universität St. Gallen ist, auch künftig ihr Privatleben privat halten wollen." Aber aufgepasst und nachgeschaut ergänzt sich das ganze um die Feststellung, dass besagte Meckel in den Jahren 1999 und 200 auch Leiterin des Instituts für Kommunikationswissenschaft (IfK) an der Uni Münster (oh ja!) war. Vielleicht schließt das den Kreis zum journalistischen Vorbild und lässt schmunzeln in dem Bewusstsein, dass heutzutage am IfK durchaus junge und homophile Angestellte ihrer Arbeit nachgehen. Da aber bisher keine Avancen gemacht worden sind, wird diese Personalie wohl auch in Zukunft die Stundenplanzusammenstellung nicht weiter beeinflussen.
Ebenso wenig wie der Tipp eines Joggers, wie man noch mehr Kalorien verbrauche: Nur mit Wollmütze, kurzer Unterhose und Turnschuhen ist der Mann bei drei Grad in Wörth am Rhein von der Polizei aufgegabelt worden. Er laufe in diesem Outfit regelmäßig, mit beschriebener Absicht. Nützt aber alles nicht – weil der Alkohol, der die 1,5 Promille bewirkt hat, macht auf seine Art auch wieder dick. Also: kein Grund zum Sport! Aber Grund genug für einen Gruß aus Münster!

071117 Soso, eine 'kleine Verwechslung' hat juristische Konsequenzen. Dabei wäre so ein Missgeschick durchaus mal wünschenswert.
In Riad, der Hauptstadt des saudi-arabischen Königreichs, streiten sich gerade zwei Elternpaare um ihre Kinder. Also genau genommen die türkische Familie um das Kind der Araber. Beziehungsweise: noch genauer genommen um den bei diesen lebenden Sohn. Angeblich wurden nach den Geburten in einem saudi-arabischen Krankenhaus nämlich die beiden Babys, Ali und Yakup, vertauscht, sodass der Junge, der eigentlich in Istanbul aufwachsen sollte, nun von einem Kamelzüchter aufgezogen werden könnte. Ein DNS-Test habe aber bereits bewiesen, wer zu wem gehört. Die türkischen Eltern wollen die Söhne nun austauschen, der arabische Vater droht mit einer Klage gegen das Krankenhaus. Da stellt sich doch die Frage, wie es zu so einer Verwechslung kommen kann. Sicherlich würden diese Probleme an der Tagesordnung sein, wenn es sich um eineiige Zwillinge handeln würde – und selbst da haben die Eltern eigentlich schnell raus, um wen es sich handelt. Aber bei zwei völlig unterschiedlichen Kindern? Gut, wenn die Babys blutig, schrumpelig, hässlich und knautschig aus den Gebärmüttern gequetscht werden und in den Kreissaal flutschen, sind die Unterschiede bestimmt nicht allzu groß – für Individualität ist ja auf 50 Zentimetern kein Platz.
Dabei wäre es eigentlich eine spannende Vorstellung – sowohl für Eltern als auch für Kinder, wenn man ab und zu mal die jeweiligen Gegenüber austauschen könnte. So könnte man sich die "alle anderen dürfen aber"-Diskussionen sparen: Die Kinder könnten sich Eltern aussuchen, die weniger 'soooo gemein' sind. Und die Eltern könnten sich schnell um Kinder bemühen, die vielleicht an dem Abend sehr müde sind. Was dabei an brenzligen Situationen vermieden hätte werden können. Und wie viele Gläser, Vasen und Teller noch heile sein könnten... Trotzdem froh, dass es nicht so war, heute besonders an Mama ein Gruß aus Münster!

071116 Soso, größer, höher, schneller, weiter – die Vermessungen der Welt.
Manfred Schell ("GDL": "31 Prozent!") ist es. Wulf Bernotat ("E.on": "Strom ist zu billig!") ist es. Christina Aguilera ist es ("You're beautiful!"). Vermessen zu sein, scheint im Trend zu liegen. Und in der Regel gönnen sich nur solche Leute diese Charaktereigenschaft, die sich immer einer Tatsache bewusst sind: selbst wenn sie mit ihren abgehobenen Äußerungen aufs Maul fallen sollten, abgefedert werden sie immer irgendwie – und meistens ist das ein Bett aus Millionen kleinen Scheinchen... Da wird man doch neidisch! Weniger des Geldes wegen. Zugegeben: auch! Aber vor allem auf Grund der Tatsache, dass diese Menschen - so mir nichts, dir nichts – daherplappern können, ohne vorher offenbar auch nur einen klitzekleinen Gedanken an das, was sie da loslassen verschwendet zu haben. So richtig schön großkotzig möchte doch jeder einmal im Leben sein! Einfach mal ungestraft Dinge vom Stapel lassen, ungeachtet aller Konsequenzen mit Äußerungen um sich feuern, die Folgen von freier Stimmbandvibration schlicht ignorieren. So wie heute Morgen am Telefon. Zugegebener Maßen ist es schon etwas beruhigend, dass an der anderen Seite der Leitung 'nur' eine Verkäuferin der Lokalzeitung war. Irgendwie hatte sie aber auch einen ungünstigen Moment abgepasst und gab sich dann mit einem "Nein" nicht zufrieden. Weder aufbrausend noch unter der Gürtellinie – aber bestimmt nicht entsprechend der feinen englischen Art und mit abruptem Auflegen bedacht - wurde sie abgespeist. Das ganze gewürzt mit Aussagen bezüglich der eigenen journalistischen Qualität und Leistungsanforderungen. Aber ein echt gutes Gefühl, Vermessenheit!
Immer mehr scheint auch das Motto bei einigen Grundlagen für Zeitungsberichte (einer anderen Lokalzeitung) zu sein: "16,2 Millionen für einen Diamanten", "200000 Euro teure Füller aus 750er Weißgold" und die dringend benötigte Möglichkeit, vom Mount Everest per Mobilfunk zu telefonieren. Leider nur im Netz von "China Mobile". Wenn man dann also auf 6500 Metern steht und vom Yeti berichten will, schlägt die Zensur zu und das Gespräch wird doch gekappt. Da bleibt man doch lieber mit abschwellendem Größenwahn zuhause und sendet einen Gruß aus Münster!

071115 Soso, heute wird gedacht, bis die Schwarte kracht!? Zeit genug ist ja bei 800 km Fußmarsch.

Der dritte Donnerstag im November ist – so hat es die "UNESCO-Kommission Deutschland e.V." festgelegt – "Tag der Philosophie". Heute darf also so kritisch gedacht werden, wie es anders im "Jahr der Geisteswissenschaften" kaum denkbar wäre. Vielleicht gibt es dann ja auch die 'Sekunde der Geistesblitze' – eine unerwartete Energiequelle, die ihresgleichen sucht. Oder – zugegeben sehr viel flacher – eine "Milliminute der Einfälle" – mit Ausfällen kämpfen ja schon die Bahnfahrer heute. Wie dem auch sei, die Nomenklatur der Zeiteinheiten rauf- und runtergerattert erfreuen sich die Philosophen des heutigen Tages. Aber brauchen sie diesen besonderen Titel, um ihrer Arbeit nachzukommen? Sofern man davon sprechen kann. Denn Philosophen – diese Menschen, die weder rückwärts laufen noch beim Furzen konzentriert weiter fernsehen können, weil es einfach praktisch und komfortabel wäre. Die es nicht schaffen, weniger als 50 Wörter zwischen zwei Punkte zu quetschen und eine Anhäufung selbiger als 'Erklärung der Welt' deklarieren. Die sich Gedanken über die Lösungen von Problemen machen, die sich dem Großteil der Bevölkerung überhaupt gar nicht erst stellen. Und denjenigen, die sie sich stellen, fallen sie nicht auf, weil es zu kompliziert wäre, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.

Aber manchmal hat man gerade dafür die Zeit. Zum Beispiel, wenn man den persönlichen Jakobsweg quer durch Münster beschreitet – an seiner Seite seinen treuen Weggefährten: das Fahrrad. Frisch aus der Reparatur eingetroffen, war der Vorderreifen heute Morgen schön prall gefüllt. Bis zur nächsten Straßenecke. Offenbar schlecht gearbeitet. Aber die Arbeit rief und so musste – wohl oder übel – geschoben werden. Und ohne Fahrrad wurde der Spaziergang noch länger: in die Stadt und von da aus dank verpasstem Bus auch nach Hause. In Vorbereitung auf den morgigen Muskelkater ein Gruß aus Münster!

071114 Soso, die EU war ja für Schwachsinn bekannt. Aber die Bachelorette?!

Die Europäische Union zahlt Agrar-Subventionen an Golfclubs und verliert durch lückenhafte Kontrollen Milliardenbeträge. Aber wen wundert's?! Immerhin ist das nicht die erste öffentlich gewordene Schwachsinns-Aktion des Brüsseler Sesselfurzer. Doch der Bericht des EU-Rechnungshofes hat für das Jahr 2006 noch weitere Schmankerl auf Lager: auf Grund von Umstellungen in der Agrar-Förderung auf ein Modell, nach dem Grundstückbesitzer auch für eine reine Flächenbewirtschaftung Subventionen erhalten können, schmeißt die EU knapp vier Milliarden aus dem Fenster. "Regionalförderung" heißt das dann. Und die Folgen sind: bescheuert!

So auch bei einer angehenden Bachelorette – wobei an dieser Stelle schon einmal Veto gegen dieses Vorhaben eingelegt werden soll. Und an ihren zukünftigen Arbeitgeber: behaupten Sie nie, Sie seien nicht gewarnt gewesen. In einer kilometerlangen Schlange auf dem Prüfungsamt stürmte die junge Frau auf mittlerer Höhe der Menschenansammlung und schnaufte ein: "Wer studiert hier noch Englisch?" Ungeachtet der Tatsache, dass weder irgendwer antwortete noch sonst irgendwer auch nur ansatzweise Interesse für sie zu haben schien, offenbarte sie ihr dramatisches Schicksal. Leider in einem vokabularen Wirrwarr, dessen Wiedergabe an dieser Stelle die hoch geachteten und deutlich besseres gewohnten Leser abschrecken würde. Quintessenz war jedenfalls, dass sie den Titel ihre Bachelor-Arbeit vergessen habe. Den englischen zumindest. Auf Deutsch wisse sie ihn noch. Und jetzt das merkwürdigste: "Aber ein Wort fällt mir nicht mehr ein." Darauf hin erbarmte sich ihrer doch einer der Wartenden und wollte helfen. "Geschlechterungleichheit", suche sie, "irgendwas mit gender inequa..." - "Gender inequality", half darauf hin ein ganzer Chor. Ihre Reaktion: "Ach, dem Amt ist es vermutlich egal, was da genau steht. Hauptsache, das Feld ist ausgefüllt." Sprach's, nahm den Antrag, zischte von dannen – ganz ohne Gruß aus Münster!

071113 Soso, das Leben ist ein einziger Schrottplatz. Bleibt nur zu danken, dass sich dieser nicht in Hamm befindet.

Zwei Fahrräder – das ist ungefähr so wie zwei Penisse: im Grunde schwachsinnig und überflüssig, weil man(n) eh immer nur einen benutzen kann. Wobei getrennte Ausgänge für diverse Körperflüssigkeiten schon sinnvoll erscheinen, wenn man es mal aus einer hygienischen Perspektive betrachtet. Aber spätestens seit gestern ist die Hemmschwelle da ja eh so tief, dass das eigentlich auch nichts mehr macht. Das Problem mit den zwei Fahrrädern bleibt allerdings bestehen: wieder einen Platten. Ganz offensichtlich folgen die Bauarbeiten verrichtenden Arbeiter mit ihrem Schotter und sonstigem sich in Gummischläuche fressenden Material immer dem Fahrradweg vom Wohnheim in Richtung Arbeitsplatz hin zur Uni und dann in die Stadt. Jedenfalls ist die Luft mal wieder raus. Aber in weiser Voraussicht das Erbe der Nachbarschaft vor Wochen schon nach Münster geschleppt, konnte auf das Zweit-Zweirad ausgewichen werden. Leider nur, hat's da heut Morgen das linke Pedal vertreten, Schraube locker – oder so ähnlich. Alles Mist auf jeden Fall, alles Schrott! Und dann auch noch diese stunden- und lebensplaninkompatible Busanhängigkeit. Ein Graus!

Ähnlich wie mit den Penissen. Nur, dass da der Trost bleibt, dass man nicht in Hamm wohnt. Hier leben nämlich einer Studie des Stuttgarter Instituts für rationelle Psychologie (dass das überhaupt möglich ist...) zufolge wenig eifersüchtige Männer. Wie auch – da ist es ja so trist, dass die Frauen eher depressiv werden, als dass sie fremdgehen. In Stuttgart selbst (Aha!), Frankfurt und Düsseldorf hingegen, kocht das Blut bei Rivalenverdacht besonders schnell hoch. Eigentlich ein Grund, sich bald mal auf Jobsuche zu begeben und ein bisschen für Stimmung zu sorgen! Vorab schon mal ein Gruß aus Münster!

071112 Soso, jede Schusselei ist also topbar. Unhygiene andernorts allerdings auch.

Die Liste der vergessenen und verlorenen Dinge ist lang: Schlüssel, Portemonnaies, Fahrkarten, Taschen, Jacken, Regenschirme, Eintrittskarten, Gutscheine, Geburtstagsgeschenke, Geburtstage und ab und zu auch mal den Verstand. Also durchaus auch die ein oder andere Sache aus der Kategorie 'wichtig'. Was allerdings einem Remscheider jetzt widerfahren ist, lässt selbst erprobte Vergesser stutzen: Ein verdächtiges Auto hatte die Polizei auf den Plan gerufen. Der unverschlossene Wagen hatte mit geöffnetem Seitenfenster über eine Stunde lang eine Zapfsäule an einer Tankstelle blockiert, bis eine Angestellte die Polizei zur Hilfe rief. Die Beamten ermittelten den Halter des Wagens und riefen ihn daheim an. Der 63-Jährige konnte den Fall aufklären: er hatte sein Auto nach dem Tanken vergessen. Das ist dann wohl ein klarer Fall von Altersdemenz. Aber wenigstens hat er sein Auto nicht komplett verloren.

Anders sah es da heute mit der Unschuld aus. Insbesondere derer hinsichtlich hemmungsloser Putzeskapaden. Und beim zugesagten Umzugsvorbereitungs-Großreinemachen glich der Gesichtausdruck beim Blick unter den Kühlschrank wohl etwa dem, den Maria getragen haben muss als der Engel mit der Nachricht kam, dass sie ihrerseits ihre Unschuld – zumindest im plazentalen Sinne – verloren habe. Die Geschichte ist es, die Historiker fasziniert. Die Geschehnisse, die die Geschichte verborgen hat, sind es, die die Archäologen interessieren. Die Folgen, die die Geschichte mit sich gebracht hat, sind es, die die Sozialwissenschaftler interessieren. Und die vor sich hin vegetierenden Überreste unter Küchenschränken sind es, die heute den Magensäurespiegel im Inneren der Speiseröhre bedenklich steigen ließen. Aber trotzdem weiter zu putzen, Pilze, Asseln und Mäuse zu vernichten – das ist es wohl, was man gemeinhin 'Freundschaft' nennt!? Vor dem morgigen Blick in den Spiegel an den winkenden Herpes schon mal einen Gruß aus Münster!

071111 Soso, je besser desto weniger lautet wohl die neue Diät. Oder auch ein perfektes Geburtstagsgeschenk.

16 Formationen, 40 Tänze, zwei deutsche Meister – dafür 70 Euro, die es nicht wert waren. Der "Ruhrcongress" in Bochum eignet sich nämlich definitiv nicht für Deutsche Meisterschaften im Formationstanz Standard und Latein. Der Blick auf die Hälfte des Parketts war durch Hinterköpfe versagt. Adretter wäre wohl der Anblick der Tänzer und Tänzerinnen – und vor allem: der Formationen – gewesen. Aber dafür war der Abstand zur Bühne zu weit. Trotz alledem fleißig mit dem Lüdenscheider Team mitgefiebert, die nach persönlicher B-Benotung mehr als den sechsten – aber sehr guten – Platz verdient gehabt hätten. Schade nur, dass die gesammelten Erkenntnisse auch aus Auftritten der Zweiten Bundesliga deutlich machen: 'je besser desto weniger' ist wohl das Motto bei den Sportlern. Die Männer noch schlaksiger, die Frauen noch magerer. Na gut, dass die Midlifecrisis noch nicht kommen kann, weil dann ja mit 42 schon Schluss wäre – aber Anlass genug hätte es durchaus gegeben.

'Je weniger desto besser' dachten wohl auch ein paar Schüler aus Nottingham. Zum 16-Geburtstag wollte eine Mutter ihrem Sohn einen als Gorilla verkleideten Entertainer in die Schule schicken. Mal abgesehen davon, dass das ja ein total tolles Geschenk gewesen wäre und sich der Junge bestimmt riesig gefreut hätte, patzte die Party-Agentur und schickte eine Polizistin. Verwundert war die vorgewarnte Lehrerin aber, als diese dann anfing sich zu entblößen. Kurzerhand schmiss diese sie – wohl zum Ärgernis des Geburtstagkindes – aus der Klasse. Ähnlich bitter wohl wie 70 Euro für Hinterköpfe. Da bleibt nur ein Gruß aus Münster!

071110 Soso, ab jetzt heißt's wieder ran an den Weihnachtsmann! Und wenn man an den schon glaubt...

Man stelle sich das mal vor: Einladung zur Barbecue-Party in der Hand. Alle Gäste schon da. Dann kommt man in den Garten. Und dort sitzen am Tisch die Angie und der George, plaudern gemütlich über allerhand Weltgeschehen und grillen sich nebenbei das ein oder andere Steak. Eben die Atmosphäre, die es bedarf, wenn so kleinere Konflikte wie Pakistan, Iran, Irak, Georgien, Birma oder auch die ein oder andere Klimakatastrophe (draußen stürmt's immer noch...) besprochen werden sollen. Das alles auf einem mehr als 600 Quadratmeter großen Anwesen – also neben dem Ego die zweite Hybris, mit der Bush Junior bedacht worden ist. Und wohl auch eine ganz neue Erfahrung für unsere Angela, die irgendwo zwischen ländlicher Uckermark und Großbaustelle Berlin beheimatet ist. Wie sie wohl in ihrem Salat rumstochern mag, während sie gerade versucht von Knut über dessen Artgenossen auf die globale Erwärmung zu kommen. Zum Glück werden die zwei aber nicht gestört. Denkbar wäre ja den neusten Kumpaneien zu Folge auch, dass mit der mächtigsten Frau und dem mächtigsten Mann der Welt auch der kleine Sarko in einem Hochstuhl am Tisch sitzt und rumquengelt, weil er gerne noch mehr Tomaten-Ketchup für sein kleines französisches Würstch-entschuldigung!

Aber wo wir gerade der Phantasie freien Lauf lassen: es darf wieder an den Weihnachtsmann geschrieben werden. Um vielleicht ein letztes Mal noch von ihrer Monopolstellung zehren zu können, hat die "Deutsche Post" wieder ihre Weihnachtspostfiliale in 16798 Himmelpfort eröffnet. Angeblich antwortet der Weihnachtmann dann auf die Wunschzettel in 16 Sprachen. Es wird also Zeit, die Russischkenntnisse wieder herauszukramen! Dann schreiben wir dem Weihnachtsmann, wünschen uns Weltfrieden und globales, gutes Wetter und senden einen Gruß aus Münster!

071109 Soso, eine Sturmflut bahnt sich vor der Küste an. Aber die schiebt auch keine Züge.

"An der Nordseeküste, am plattdeutschen Strand, sind die Fische im Wasser und selten an Land." Dieses gesungene Seemannsgarn könnte heute für einen Tag als Lüge deklariert werden. Nachdem uns im Januar schon Kyrill einen Besuch abstattete, das ein oder andere Wäldchen entwurzelte und den ein oder anderen Fahrradfahrer vom Vehikel wehte, haben die Wetterfrösche für den heutigen Tag eine Sturmflut angekündigt. Das am meisten gelieferte Beispiel: der Hafen in Rotterdam. Nicht nur, dass von den hier ablaufenden Geschäften zu einem wesentlichen Teil die Spritpreise abhängen, die an sich heute schon Thema genug wären, nein, Holland motzt mit einem 200 Meter hohen Tor gegen die Flutwelle auf. Gut, wenn man bedenkt, dass sich die Niederlande zu Teilen unterhalb des Meeresspiegels befinden, relativiert das die Höhe wieder. Aber dennoch – ein Großteil auch der Wirtschaft hängt von den Abläufen in der Hafenstadt ab.

Kann uns aber glücklicher Weise ja egal sein. Denn selbst wenn die Waren an der niederländisch-deutschen Grenze ankämen – ab hier würde sie eh niemand mehr weitertransportieren, da Protest-Schell ja jetzt endlich den Güterverkehr lahm legen darf. Dazu hat die Bahn auch eine spannende, neue Idee: für die Lokführer ein eigenes Unternehmen schaffen. Das müsste sich dann den Stress mit den Streikenden antun und die Bahn-Oberen hätten weniger Probleme – denken sie offenbar. Denn wenn das neue Unternehmen auch keine 31 Prozent Lohnerhöhung verschenkt, werden die Lukasse dieses Landes wohl weiter streiken – und dann rollt doch kein Zug. Wenig Happy-End-versprechend also für die Kundschaft. Naja, heute geht's mit einem Auto heim. Bis dahin ein Gruß aus Münster!

071108 Soso, eine Revolution für die 'Wikimania' ist eingeleitet. Wenn jetzt noch der Wahrheitsgehalt abgesichert wird, drohen keine Gefahren.

Lange schon bedienen wir Studenten uns der "Wikipedia". Diese Version eines Online-Lexikons macht vieles möglich: informieren, einlesen, Zusammenhänge erkennen, Anregungen finden, Literatur recherchieren, Beiträge beizusteuern, Wissen zu teilen. Nur eins nicht: für das 'direkte' Studium taugt sie nicht, weil kein Professor im Literaturverzeichnis den http://wikipedia-Hinweis sehen möchte. Das könnte sich jetzt langsam aber sicher ändern. Aufgabe in einem Seminar an der Universität Washington-Bothell über Umweltgeschichte war es, einen Artikel für die Internet-Plattform zu verfassen. Die Professorin Martha Groom hatte beim Durchforsten der Seiten deren Inhalt (bekannter Maßen) für mangelhaft befunden und wollte, dass ihre Studenten das verbessern. Eine coole Idee, die auch in Deutschland die Runde machen sollte. Zwar löst das noch nicht das Problem, dass "Wikipedia" nicht als Quellenangabe taugt. Aber auch das macht nicht unbedingt was. Denn dann haben andere die (wissenschaftliche) Arbeit gemacht und man selbst kann so tun, als wären die gesammelten Anregungen aus dem eigenen Mist gewachsen. Natürlich nur, wenn man auch auf anderem Gebiet selbst etwas zur Enzyklopädie beisteuert. Da aber ja nicht sicher ist, für welche Beiträge dieser qualitativ höhere Status abgesichert ist, besteht immer noch die Gefahr, auf Vermutungen zu reagieren.

Das könnte besonders in Sarajevo jetzt gefährlich werden: Nach einem neuen Gesetz sind Wahrsagen, Hexerei und "ähnlicher Schwindel" nun verboten. Geldstrafen gibt es auch bei Werbung für Wahrsager und, wenn jemand beim Saubermachen andere mit Schmutzwasser bespritzt. Ist das Glaube oder Aberglaube? Jedenfalls bleibt mit steigendem Vertrauen in Wiki ein Gruß aus Münster!  

071107 Soso, Tom Cruise liebt also die Deutschen. Das eigene Herz schlägt da direkt rasanter.

"Ich liebe euch Deutsche" titelt der Internetauftritt der "Bild". Ja, darauf haben wir schon lange gewartet und es wertet unser Leben enorm auf! Am besten ist die Begründung. Auf die Frage, ob er von Paparazzi verfolgt worden sei, kommt ein: "Nein. Wir saßen nachts am Gendarmenmarkt. Wir schlenderten durch Parks. Wir aßen in vielen Restaurants. Wir lieben euch Deutsche." Also sind wir liebenswert, weil wir dem VIP-Scientologen samt Anhang die Möglichkeit für Spaziergänge und Nahrungsaufnahme bieten?! Ja, das ehrt uns tatsächlich und es ist ja auch so außergewöhnlich. Man stelle sich nur mal einen Besuch in einem anderen Land dieser Welt vor: so einfach ist das da bestimmt nicht mit rumlatschen und essen... Vielleicht, weil man auf der Südhalbkugel ja auf dem Kopf steht. Da ist man dann so konzentriert, nicht von der Erde zu fallen, da vergisst man den Rest. War also eine gute Entscheidung, beruflich nach Deutschland zu kommen. Und glücklicherweise befindet sich das ja oberhalb des Äquators – was wäre sonst mit Toms Liebe?

Vermutlich heute gar nichts. Zumindest würde sie das Herz nicht berühren. Das ist nämlich immer noch von der Begegnung der knisternden Art bewegt – dem Kribbeln zu Folge mehr als nachhaltig! Grund war die durchgebrannte Neonbirne der Schreibtischlampe. Heute Morgen Ersatz besorgt, sollte dieser nun eingebaut werden. Ein kleines Stäbchen mit zwei Enden. Diese müssen in eine Schiebe-Dreh-Quetsch-Vorrichtung gepresst werden. Und trotz mehrfacher Seitenwechsel brennt nichts. Am fehlenden Strom kann's nicht liegen – im Physikunterricht immer gepennt und noch ganz abgelenkt vom anbändelnden Cruise war es schon der zweite oder dritte Griff ins Lampeninnere, der gezielt feststellte, dass der Körper zu klein ist, als dass sich 230 Volt unspürbar darin verteilen könnten... Ein immer noch wuschiger Gruß aus Münster!

071106 Soso, durch Anglizismen wird Einkaufen zur Farce. Und auch die Bewerbung.

Wenn jemand einem was verkaufen will, dann gab es bisher zwei absolute No-Gos: am Telefon – am besten noch mit unverständlichem Genuschel und bitterbösem Dialekt oder Akzent versehen – über ein Produkt quatschen, das wirklich niemand braucht und das man auch schon mehr als dreimal dankend abgelehnt hat. Oder vor der Haustür stehen, einen Zentnersack Blumenerde, Dreck und Hausstaub auf den Wohnzimmerflokati schütten und den neuen Super-Staubsauger demonstrativ die Bude reinigen lassen (wobei das bisher glücklicherweise nur eine (Horror-)Vision ist). Jetzt wird dieses Feld aber um einen weiteren Faktor ausgedehnt. Dieser bewirkt, dass man sich nicht mehr auf die gut gemeinten Erklärungen konzentrieren kann, sich gleichzeitig fragt, was das soll und was man eigentlich in dem Laden macht. Der Laden: der "T-Punkt". Und das, was die ganze Sache so lächerlich macht: der Titel des Verkäufers auf dem Ansteckschild: "Entertainer" steht da. Also mit Sicherheit ist das Engagement, Englischvokabeln zu pauken niemals so groß gewesen, als hätten die Lehrer auch nur ansatzweise auf die Schulter klopfen müssen – nicht mal sich selbst für den Versuch. Aber dass "Entertainer" niemals die Übersetzung von "Verkäufer" ist, das steht fest. Mit vielem wäre ja zu rechnen gewesen – aber so was!? Und vor allem verbindet man mit dem Begriff "Entertainer" ja auch, was man von einem Verkäufer erwartet: Ehrlichkeit, Seriosität und Information...

Aber was war auch anderes zu erwarten, hatte der Tag doch schon ähnlich angefangen. Eigentlich ist es nicht verwunderlich, wo die von Anglizismen getränkte – ja triefende – Arbeitswelt tagtäglich ihre amerikanische Unterwanderung zur Schau stellen muss. Dass jetzt aber gute, alte, deutsche Wörter kastriert werden – und mit Behilfsprothesen ausgerüstet wieder ins Rennen gehen – das schmerzt wirklich. Auf einem Flyer (da geht's schon los) hieß es nämlich: "Bewerbungsdeadline". So take care and Gruß aus Münster!

071105 Soso, das Model-Leben ist irreal. Erkenntnisse nah an der Existenzgrenze.

Menschenskind, was eine Erkenntnis! Topmodel Eva Padberg sieht ihren Job im Wandel. "Das Model-Leben vor zehn Jahren sei mit dem heutigen nicht zu vergleichen", sagte sie am Samstag in Stuttgart. Na, wer hätte das gedacht? Fragt mal die Studenten, die für ihre Ausbildung neuerdings zahlen müssen, die Arbeitslosen die sich mit den Hartz-Reformen rumschlagen müssen, oder die "Ihr Platz"-Mitarbeiter, die sich ab dem nächsten Jahr "Schlecker" nennen. Da sind Padbergs Entdeckung ja ein Meilenstein in berufsfeldanalytischer Forschung! Vermutlich hat sie sich diese investigative Gabe im Laufe ihrer steilen Karriere bei "Sat. 1" angeeignet – ach ne, die streichen ja ihre Nachrichten... Weiter sagte die 27-Jährige: "Die Branche ist schnelllebiger geworden". Das Model-Dasein sei eine irreale Welt. "Man muss versuchen, das ganze Geschäft nicht so verbissen zu sehen." "Beißen" – das ist sowieso das Stichwort! Vielleicht sollte sie ihren Laufsteg-Nachfolgern statt "einen gesunden Lebensstil, macht Sport, geht tanzen" mal vorschlagen, neben in Orangensaft getunkte Wattebäusche auch mal etwas ordentliches zu Essen. So mit Fett, Kohlenhydraten, Eiweiß und Ballaststoffen in einem ausgewogenen Verhältnis.

Wobei – tanzen ist natürlich auch schön. Geht durchaus aber auch mit mehr als 34 Kilo Körpergewicht. Wenn nicht sogar besser. Besteht dann wenigstens nicht bei jeder Drehung die Gefahr, vom Parkett geweht zu werden. Andersrum wäre es wohl eher ein melodischer Auftritt frei nach dem Motto "Spiel mir das Lied vom Tod"!? Daher lieber eine andere Platte auflegen – Mika zum Beispiel – und mitschmettern: "Big girls, you are beautiful!" Gruß aus Münster!

071104 Soso, aus dem Untergrund ab in die Verdammnis. Besser wäre das auch für die ein oder andere Pseudo-Kirche.

Als gestern Abend Howard Carpendale zu Gast bei Carmen Nebel war, begrüßte das Publikum sein Comeback mit Standing Ovations. Lächerlich – dafür, dass der Mann, der mit zweitem Vornamen Victor (!) heißt, nur eine sehr schlechte Playback-Version seiner neuen musikalischen Exzesse präsentierte. Mit immer noch dem gleichen schlechten Deutsch-Englisch-Mix – es lebe die südafrikanische Abstammung... Er wäre wohl besser sein Leben lang Elvis-Imitator geblieben. Dann hätte ihm auch sein Erfolg niemals zu Kopf steigen können, er hätte aus finanziellen Gründen schon niemals der Meinung sein können, mal einen Rücktritt bekannt zu geben – und vor allem hätte er uns dann erspart, von diesem wieder zurückzutreten. Als sei seine Strafe nicht schon genug gewesen, dass er Wayne dagelassen hat. Und jetzt ist die Catterfeld nicht mal mehr bereit, den länger zu ertragen...

Das ist wohl vergleichbar mit der Scientology-Sekte – pardon, der Scientology-Kirche. Zumindest hat der Nationale Gerichtshof Spaniens der Organisation jetzt das Recht zugesprochen, sich in das Register der offiziell anerkannten religiösen Gemeinschaften einzutragen. Jetzt geht's los! Bald darf keine Frau mehr beim Babys auf die Welt Quetschen rumbrüllen – und kriegt als Dank dafür auch noch eine Katze. Frei nach dem TomKat-Vorbild. Aber mal ehrlich: in Deutschland wird diskutiert, ob ein Vorzeige-Scientologe einen Kriegsfeind spielen darf, in Amerika geht es darum, ob selbiger einen Anti-Kriegsfilm finanzieren darf – und im erzkatholischen Spanien kriegt die 'Gemeinschaft', die die Psychiatrie abschaffen will und sich dafür als "Wissenschaft" bezeichnet, freie Bahn – zwei Jahre, nachdem das Madrider Justizministerium eine solche Eintragung abgelehnt hatte. Mit dem Wunsch zu weiteren Rück-Rück-Rücktritten und Rücktritten ein Gruß aus Münster!  

071103 Soso, Zensur in der Musik zwischen Aggro und Peinlichkeit. Mit Ausnahmen.

Seit geraumer Zeit wird – um das illegale Herunterladen von Musik aus dem Internet zu vermeiden – der "Youtube"-Player genötigt, Kate Nashs "Foundations" in Endlosschleife zu spielen. Einfach ein gutes Stück – perfekt gegen schlechte Wolken und Regenstimmung. Auf entsprechenden Bekanntheitsgrad stießen dann auch die ersten Töne, als heute Morgen "Einslive" ebenfalls Kate Nash spielte. Doch dann: die Wörter "bitch" und "shit" werden zensiert. Wozu bitte?! Vermutlich sind das die einzigen Wörter, die ein Aggro-Berlin-Fan in einem englischen Text verstehen kann – abgesehen davon, dass "Scheiße" spätestens nach "TicTacToe" nicht mal im Deutschen weggepiept wird. Dass nach dem Tsunami auf Julis "Perfekte Welle" verzichtet und nach dem Krieg Jan Delays "Libanon" ausgetauscht wurde, ist ja noch einigermaßen verständlich – aber "Scheiße" und "Schlampe" sind – zumal Bestandteil des "Duden" – nun wirklich keine Wörter mehr, bei denen Omis mit hochrotem Kopf davonlaufen und Mütter ihren achtjährigen Kindern erklären müssen, was die Tante da im Radio singt. Das ist einfach nur peinlich.

Und dann, wenn dieses Adjektiv auch auf die Musik zutrifft, wird leider nicht zensiert. Sonst hätte man wohl den gestrigen Beitrag in den "RTL"-Nachrichten verhindern können. Etwas anderes als peinlich fällt nämlich nicht zu dem Auftritt des "GDL"-Vize ein, der vor laufender Kamera (und um genau zu sein: genau in die Kamera und das beigehaltene Mikro) seine eigene und dem Thema angepasste "Dieser Weg wird kein leichter sein"-Version schmetterte. Als wenn es nicht gereicht hätte, dass zum Chemnitzer Urteil sein mit stylischem Zwei-Farben-Augenbrau-Fellomelett ausgestatteter Chef angerückt war. Ein fremdgeschämter Gruß aus Münster!  

071102 Soso, es gibt einen Arsch-Weltmeister. Auch ein Scherz vom Gehirn?

In München hat die internationale Po-Weltmeisterschaft stattgefunden. Dabei hat die Modekette "Sloggi" im Internet weltweit dazu aufgerufen, Fotos von seinem Allerwertesten zu machen und sie in den Wettbewerb zu schicken. Und: 15000 Kandidaten und Kandidatinnen sind diesem Aufruf gefolgt. Nun hat die Jury entschieden: Den Preis für den hübschesten Po gewannen am Mittwoch Kristina Dimitrova aus Bulgarien und Andrei Andrei aus Rumänien. Mit der Po-WM ist es also quasi wie beim "Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne" – oder auf Neu-Französisch "Eurovision Song Contest". Der Ostblock sahnt ab. Nur, dass die Länder sich diesmal nicht gegenseitig die meisten Stimmen geben konnten – dafür war eine Jury angerückt. Ob die dann den oder das größte Arsch prämiert hat, ist nicht ganz klar. Wobei – nimmt man das Beispiel des deutschen Kandidaten – eher nicht. Mit 90 Kilogramm bei einer Größe von 183 Zentimetern sei er nicht die optimale Besetzung, hatte man Thomas Schaller geraten. Aber offensichtlich fand er seinen Hintern scharf genug, obwohl es eine Reihe mit handkonformeren Konfektionsgrößen gibt!

Vermutlich auch ein Trugschluss seines Gehirns. Das – so haben Forscher nämlich jetzt herausgefunden – sorgt dafür, dass Menschen ihre Zukunftsaussichten positiver beurteilen, als sie sind. Aber das ganze habe angeblich auch was Gutes: schätzt man seine Zukunft rosig ein, tut man auch in der Gegenwart mehr, um diese Ziele möglichst bald zu erreichen. Na, das kann ja nicht so ganz stimmen. Sonst hätte der 36-jährige Schaller einen jüngeren und vor allem knackigeren Arsch ins Rennen um den heißesten Po ziehen lassen. Aber vielleicht ist selbst dieser Glaube, dass es so etwas geben soll, Utopie. Mit einem Blick zum Spiegel ein Gruß aus Münster!

071101 Soso, seit knapp 600 Jahren sind Würste sauber. Grund genug, sie zum deutschen Kulturgut zu machen... 

Den Gruselabend unbeschadet und unbeeindruckt überstanden, sorgte eine Schlagzeile in den "Westfälischen Nachrichten" heute Morgen für gute Stimmung: "Das älteste bekannte Reinheitsgebot für Bratwürste stammt aus Thüringen: Die Vorschrift zur Wurstzubereitung ist bereits in der Weimarer Fleischhauersatzung aus dem Jahr 1432 enthalten und damit noch 84 Jahre älter als das bayrische Reinheitsgebot für Bier, wie das Deutsche Bratwurstmuseum in Holzhausen bei Erfurt bestätigte."

Man lasse sich die Fakten mal einzeln durch den Kopf gehen! Es ist ja in Zeiten von Gammelfleisch und Co sehr beruhigend zu wissen, dass es ein Reinheitsgebot für Bratwürstchen gibt. Allerdings nützt das ja alles nichts, wenn man bedenkt, dass es nicht umsonst den Spruch gibt: "Wer anderen eine Bratwurst brät, der braucht ein Bratwurstbratgerät". Und wenn eben dieses Gerät – und beim Blick hinter so manche Grillstubenkulisse schaudert's – nicht sauber ist, taugt auch die reinlichste Bratwurst nichts mehr. Aber weiter: das Reinheitsgebot für Biere. Klar war, dass es das gibt. Klar war auch, dass es sinnvoll ist, wenn man sich keine Magenvergiftung holen möchte. Aber wenn man dann bedenkt, wie viele Cola, Fanta oder Bananensaft in ihr Bier schütten, fragt sich doch, ob "Reinheit" noch der richtige Ausdruck ist. Und dann – wie so oft – das Beste zum Schluss. Und das kann unkommentiert genossen werden, wenn man über den Witz an sich sinniert: es gibt ein Bratwurstmuseum! Wohl bekommt's und Gruß aus Münster!